1976 – 1990

Die Jahre 1976 – 1990 | Oberbrandmeister Hans-Joachim Püschel

1976 ist das in Eigenarbeit errichtete Feuerwehrgerätehaus zu Jahresbeginn im Rohbau fertig. Ortsbrandmeister Walter Sohns scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus und wird zum Ehren-Ortsbrandmeister ernannt. Als Nachfolger wird Hans-Joachim Püschel gewählt. Am 31. Mai ist es endlich soweit: Die Lühnder Wehr gründet die erste Jugendfeuerwehr der Gemeinde. Aufgenommen werden 15 Jugendliche, die sich bereits im vergangenen Jahr gemeldet hatten. Die Gemeinde stellt 1800 Mark für Uniformen zur Verfügung. Jugendwart wird der stellvertretende Ortsbrandmeister Adolf Zipperer. Am 19. September bestreitet die Jugendwehr in Bornum am Harz ihren ersten Wettkampf und erreicht unter 45 Teilnehmern den fünften Platz.

Hans-Joachim Püschel

Am 7. Juli wird das neue TLF 16 zum ersten Mal außerhalb einer Übung eingesetzt: In Groß Lobke brennt der Schafstall des Landwirts Euken. 300 Tiere kommen in den Flammen um. Fünf Wochen später, am 15. August, ist die Wehr erneut mit dem TLF 16 in Groß Lobke. Diesmal brennen Stall und Scheune des Landwirts Hinze. Ein dramatischer Einsatz. Zwei Lühnder Feuerwehrmänner stehen unter dem Vordach, als der Befehl zum Rückzug kommt. Kurz darauf kracht das Gebälk zusammen. Die beiden Kameraden haben um Haaresbreite ihr Leben gerettet. Noch viermal wird das TLF in diesem Jahr eingesetzt: am 25. August bei  Stoppelfeldbränden am Ortsrand von Algermissen, am 19. September beim Brand der Müllkippe an der Kalibahn und am 3. November an der Mittelpunktschule. Diesmal kein Feuer – der überflutete Heizungskeller muss ausgepumpt werden.

Beim Festumzug zum 75-jährigen Jubiläum werden die ältesten Kameraden in einer Kutsche gefahren.

1977 wird der seit 26 Jahren unveränderte Jahresbeitrag von vier auf zwölf Mark erhöht. Am 11. Februar wird das neue Feuerwehrgerätehaus eingeweiht. Gleichzeitig wird das TLF 16 der Lühnder Wehr offiziell übergeben. Vom 22. bis 24. Juli richten Wehr und Spielmannszug ein gemeinsames Jubiläumsfest aus: 75 Jahre Lühnder Feuerwehr und zehn Jahre Spielmannszug. Am großen Umzug mit zwölf Festwagen beteiligen sich 60 Vereine, darunter 38 Wehren sowie elf Musik- und Spielmannszüge.

Fünfmal rückt die Wehr in diesem Jahr zum Löschen aus. Der größte Alarm wird am 6. November ausgelöst: Durch fahrlässige Brandstiftung steht die Scheune von Wilhelm Ruhkopf in Flammen. Die Wehren aus Algermissen und Groß Lobke unterstützen die Lühnder Feuerwehr – insgesamt 50 Mann. ln 15-stündigem Einsatz können sie ein Übergreifen des Brandes auf die angrenzenden Gebäude verhindern. Auch die Tiere werden gerettet.

Die abgebrannte Scheune von W. Ruhkopf.

1978 werden die 180 Ortsfeueıwehren des Landkreises Hildesheim in vier Brandabschnitte eingeteilt. Algermissen bildet mit Harsum, Schellerten, Söhlde und Sarstedt den Abschnitt Nord. Lühnde und Algermissen sollen Stützpunktfeuerwehren für den Gemeindebereich werden. Zum ersten Mal überprüft die Wehr private Feuerlöscher. Die Aktion wird gut angenommen. Am 1. April tritt das neue Brandschutzgesetz in Kraft. Es sieht ständig besetzte Nachrichtenzentralen sowie Feuerwehreinsatzleitstellen in allen Landkreisen vor. Bei größeren Veranstaltungen muss künftig eine Brandsicherheitswache gestellt werden.

1979 beteiligt sich die Wehr an der Gründung der Interessengemeinschaft Lühnder Vereine (IGL). Das Gemeindekommando beschließt, für Lühnde ein Tragspritzenfahrzeug (TSF) anzuschaffen. Das Lühnder Feuerwehrkommando fordert dagegen – unterstützt vom Kreisbrandmeister – die Anschaffung eines neuen LF 8. Der alte Opel Blitz ist nach 23 jahren durchgerostet. Ein neues LF 8 wird jedoch als zu teuer abgelehnt. Am 7. August unterstützt die Bereitschaftsgruppe die Sarstedter Wehr: Die Chemiefirma Hanerol steht in Flammen. Am 14. Oktober muss die Wehr erneut ausrücken. Um 1.09 Uhr meldet ein Anrufer aus Lühnde bei der Polizei Sarstedt einen Brand der Gaststätte Platz. Die FTZ Groß Düngen löst Alarm aus. Um 1.15 Uhr sind die Wehren aus Lühnde, Ummeln und Groß Lobke am vermeintlichen Brandort. Vergeblich: Es war ein böswilliger Fehlalarm.

1980 beschließt das Kommando eine verstärkte Werbung um Fördermitglieder. Das Ziel: Jeder Hausbesitzer soll Mitglied der Wehr sein. Am Jahresanfang sind es erst 103. lm April erhält die Wehr sechs Funkmeldeempfänger. Wenig später wird das alte LF 8 durch ein neues TSF von Mercedes ersetzt. Als einzige in der Gemeinde besitzt die Lühnder Wehr Hitzeschutzanzüge, die ein Feuerwehrfreund von der Bundeswehr besorgt hat.

1981 übernimmt die Feuerwehr die Organisation bei der Einweihung des Kinderspielplatzes am 29. August.

Schweinerennen in Lühnde 1982: Dieter Wicking aus Düshorn treibt seine Sau Borsti zum Sieg.

1982 bricht am 27. Mai ein Feuer im Clubhaus am Birkenholz aus. Der Löscheinsatz dauert zwei Stunden. Zu ihrem 80-jährigen Jubiläum richtet die Wehr vom 7. bis 9. Mai das Dorfgemeinschaftsfest aus. lm Herbst macht die Lühnder Feuerwehr überregional Schlagzeilen: Zum alljährlichen Dorfpokal organisiert sie am 21. August das erste Schweinerennen im Landkreis Hildesheim. 14 Treiber treten mit ihren Tieren an. Erste wird die Drei-Zentner-Sau Borsti aus Düshorn bei Walsrode. Vor 2500 begeisterten Zuschauern schafft sie den von der Wehr aufgebauten 70-Meter-Parcours in 13 Sekunden. Der Lohn: ein Pokal für den Besitzer und fünf Zentner Mastfutter für die Siegerin.

1983 muss Lühnde gegen Ende des Jahres das TLF 16 an Algermissen abgeben. lm nächsten Jahr, so plant die Gemeinde, soll die Lühnder Wehr ein neues LF 8 erhalten.

1984 geht die Diskussion um die Fahrzeugverschiebungen in den Wehren der Gemeinde Algermissen weiter. Der Kreisbranddirektor und der Landesbranddirektor unterstützen eine Rückkehr des TLF 16 nach Lühnde. Anderenfalls solle Lühnde ein TLF 8 erhalten.

Die Feuerwehrbereitschaft ist nicht mehr Bereitschaft im Katastrophenschutz, sondern Bereitschaft der Kreisfeuerwehr. Die Bereitschaftsstärke wird von 1-26 auf 1-22 reduziert. Dadurch wird die Lühnder Gruppe auf 1-1 heruntergestuft. Am 12. März muss die Lühnder Wehr zum ersten Mal im Ernstfall einen brennenden PKW löschen. Am 24. November hilft sie bei der Bekämpfung eines Dachstuhlbrands in Ummeln. Am Jahresende erhält die Wehr eine neue TS8/8 Trokomat der Firma Ziegler als Ersatz für die alte Pumpe.

1985 muss das Gerätehaus acht Jahre nach der Einweihung saniert werden. Zweimal wird sogar eingebrochen. Die Gemeinde tauscht die verrotteten Fenster aus.

1986 wird die Jugendarbeit wegen akuten Personalmangels eingestellt. Die Jugendwehr hat nur noch sechs Mitglieder. Ihr Konto wird zum 1. Juli gesperrt, das Vermögen auf ein Sparbuch eingezahlt. ln diesem Jahr fährt die Wehr zwei Einsätze: Bei Ruhkopf muss ein Fassadenbrand, gelöscht werden, an der Tankstelle Heinrich Busche wird Ölalarm ausgelöst.

1987 wird den letzten drei aktiven Mitgliedern der Jugendwehr vorgeschlagen, ihren Dienst in der Algermissener Wehr fortzusetzen. Nach neun Jahren muss die Feuerwehr im Mai die Überprüfung von Feuerlöschern im Gerätehaus einstellen. Laut Gerichtsbeschluss gilt diese Dienstleistung als unlauterer Wettbewerb. Das Gerätehaus wird in Eigenregie von der Wettkampfgruppe renoviert.

1988 werden am Gerätehaus beide Tore ausgewechselt. Dreimal muss die Wehr in diesem Jahr Ölspuren beseitigen. Weitere Einsätze: ein Schornsteinbrand am 2. und ein Feuer in der Lühnder Schule am 4. Januar. lm Dezember schafft die Gemeindewehr einen Ölschadensanhänger an, der in Algermissen stationiert wird.

1989 brennt am 7. März das 200 Jahre alte Fachwerkhaus von August Busche. Alle Ortswehren sind im Einsatz. Sie müssen mit schwerem Atemschutz ins Gebäude eindringen, um die anwesenden Bewohner zu retten. Ende März erhält die Wehr neue Einsatzanzüge: Latzhosen und orangefarbene Feuerwehrjacken. Ab Mai hat die Wettkampfgruppe so große Personalprobleme, dass sie nur noch einmal im Monat üben kann.

Die ausgebrannte Scheune von Cord Rautenberg.

1990 muss die Wettkampfgruppe pausieren. Drei Kameraden sind ausgeschieden, zwei beim Wehrdienst – damit wird die Gruppenstärke nicht mehr erreicht. Der Landkreis sagt der Gemeinde einen Zuschuss von 120.000 Mark für neue Fahrzeuge zu. Danach soll Lühnde Anfang 1992 ein TLF 8 erhalten. Ebenfalls im Februar wird bei einer Zugübung erstmals der Umgang mit gefährlichen Stoffen geprobt. Auch in der theoretischen Ausbildung gibt es ein neues Aufgabengebiet: Brandbekämpfung an der neuen lCE-Schnellbahnstrecke Hannover – Würzburg. Am 18. Oktober gibt es wieder einen Großalarm in Lühnde: An der Ummelner Pforte brennt am späten Abend das ehemalige Stallgebäude von Cord Rautenberg. Alle Wehren der Gemeinde sind im Einsatz. In einem 90-minütigen Löscheinsatz können die beiden angrenzenden Wohnhäuser gerettet werden. Die Bewohner sind vorsorglich evakuiert worden. Aus dem brennenden Stall kann ein Dackel gerettet werden. Die Lühnder Wehr ist bei diesem Einsatz vom Pech verfolgt: Erst springt wegen einer defekten Batterie das TSF nicht an, dann fällt beim Abrücken die Pumpe aus dem Wagen. lm Dezember werden die Fahrzeugboxen im Gerätehaus renoviert – erneut in bewährter Eigenregie.


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